Günter Naumann siegt in Turin

Die World Masters Games sind eine Multisportveranstaltung für Senioren. Günter Naumann startete dort im Wettbewerb Recurvebogen der Männer 40+. Vor dem Wettkampfbeginn durfte er in einem Turiner Verein trainieren. Doch bevor er auf dem Vereinsgelände seinen ersten Pfeil schießen konnte, wurde er von den Mitgliedern zum essen eingeladen. „Die Menschen waren sehr gastfreundlich und es war ein sehr schöner erster Eindruck“. Anschließend trainierte er zwei Stunden bei Temperaturen von 35 Grad.

Günter

Das offizielle Training fand im Olympia Stadion von Turin statt. „Es war eine überragende Atmosphäre. Hier war die Organisation wirklich professionell. Ich war wirklich begeistert“, schwärmt Naumann. Es gab große Leinwände, wo alle Ergebnisse angezeigt wurden. Der Bogensport hat in Italien einen hohen Rang und das Olympia Stadion ist normalerweise das Heiligtum der Fußballer. „Es war eine Ehre hier schießen zu dürfen. Mein Herz hat gerast als ich das Stadion betreten habe“, so der Bogenschütze. Bei dem offiziellen Training sah er auch das erste Mal seine Konkurrenten. Es waren sehr gute Sportler dabei und Naumann war beeindruckt.

Der erste Wettkampftag fing nicht gut für Naumann an. Er schoss im ersten Durchgang nur 37 Ringe und landete auf Platz 13. Normalerweise schießt er im Durchschnitt 48 von 60 Ringen. Bis zur Hälfte der Qualifikation arbeitete er sich auf Platz 10 mit einem Ergebnis von 276 Ringen. Nach einer Pause schoss er in der zweiten Hälfte 299 Ringe. Somit hatte er die Anzahl erreicht, die er sich vorgenommen hatte und kämpfte sich in der Gesamtwertung auf den 8. Platz.

Nach einer zweistündigen Pause begannen das Achtelfinale. Sein Gegner war hierbei der Italiener Alessandro Sandretti. In den Finalen wurden nur 3 Pfeile in einem Durchgang geschossen und für jeden gewonnen Durchgang erhielt der Sportler 2 Punkte. Gewinner des Matches war der Schütze, der zuerst 6 Punkte erreicht hatte. Am Ende des Achtelfinales von Günter Naumann wurde allerdings ein Stand von 5:5 erreicht. Das Stechen konnte er allerdings mit einem 9 zu 7 Ringen für sich entscheiden. Im Viertelfinale stand Naumann wieder einem Italiener gegenüber. Francesco Fogli, die Nummer eins nach der Qualirunde. Der Schütze vom TVM  konnte einen klaren Sieg von 7:3 Punkten einfahren. „Mein Gegner hat einfach mehr Nerven gezeigt als ich“, analysiert der erfahrene Schütze. Einen sehr starken Gegner fand er in Luca Canta, gegen den er das Halbfinale bestritt. Zum zweiten Mal hatte er einen Endstand von 5:5 und gewann das Stechen mit 9 zu 7 Ringen.

Im Vorfeld der World Master Games hatte er es nie erwarten, doch nun hatte der Schütze des Turnverein 1890 Meerholz e.V. das Finale dieser offenen Weltmeisterschaft erreicht.

Am Morgen des großen Tages war Naumann nervös. Beim Aufwärmen schoss er jedoch souverän seine Pfeile. Sein späterer Gegner Marek Lewandowski beobachtete ihn hierbei. Als seine letzten drei Pfeile voll ins Gold trafen, konnte er beobachten, wie sich Nervosität bei dem Polen breitmachte.

Das Finale begann mit dem Einzug der Sportler, der von Fernsehteams aufgezeichnet wurden. Der Fokus war nun ganz auf Günter Naumann und Marek Lewandowski gerichtet. Mit dem ersten Pfeil sollte Günter Naumann den Kampf um die Goldmedaille eröffnen. Die Schiedsrichterin teilte ihm mit, dass er für jeden Pfeil nur 20 Sekunden Zeit hatte.
Beim Startsignal hatte Naumann Probleme seine Augenklappe, die er immer beim Schießen benutze, anzuheften und so blieben ihm nur noch 2 Sekunden für seinen Schuss. Dieser landete im 4. Ring. „Mir war klar, dass ich den ersten Durchgang nicht mehr gewinnen konnte. Doch nervös wurde ich deswegen nicht“, blickt er zurück. Während des Finales blendete der Schütze alles aus und transportierte sich in Gedanken auf den heimischen Bogenplatz. Dies war sein Trick, um sich nicht aus der Ruhe zubringen.

Es gab beim zweiten Durchgang allerdings Komplikationen. Anders wie zuvor bekam er seine Pfeile nicht wieder zurückgebracht. Deshalb hatte er nicht genügend Pfeile, als die Schiedsrichterin das Signal gab. Nach einer längeren Diskussion gab die Offizielle das Signal, dass er seine Pfeile wiederbekam.

Auch von diesem Zwischenfall ließ sich der Bernbacher nicht irritieren und gewann den zweiten Lauf. „Der dritte Durchgang war überragend. Ich schoss 9,10, 9 Ringe. Nur schwer vom Gegner zu überbieten„ freut sich Günter Naumann. Das Stadion feierte ihn für diese Glanzleistung. Sein letzter Pfeil war eine glatte 10. Überglücklich stand er auf dem Treppchen und nahm seine Goldmedaille entgegen. Die ganze Zeit hatte seine Frau Heike Ullmann mitgefiebert und freute sich sehr für ihn. „Ich bedanke mich sehr bei meinem Verein für die Unterstützung. Sie haben die ganze Zeit mitgefiebert und meine Freunde haben sehr viel mit mir trainiert“, so der strahlende Gewinner.

Sein Vereinskamerad Alexander Fröse hatte eine tragende Rolle im Wettkampf gespielt: „Ohne seine mentale Unterstützung hätte ich das Finale nie so erfolgreich schießen können“, teilt Naumann dankbar mit. Die Männer hatten während des Verlaufes ständigen Kontakt und Fröse hatte ihm wertvolle Tipps mit auf den Weg gegeben.

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